„Neugierig bleiben und Fragen stellen!“
Rückblick auf den diesjährigen Max Planck Schools Day
Der achte Max Planck Schools Day am 8. Oktober 2026 fand im Harnack-Haus in Berlin statt und vereinte die vier Max Planck Schools sowie ihr einzigartiges Netzwerk. Inspirierende Vorträge, interaktive Workshops, eine mitreißende Paneldiskussion und ein lebhafter Ausklang weckten Neugier, förderten kritisches Denken und den Austausch über Disziplingrenzen hinweg – ein gelungener Auftakt ins neue akademische Jahr.
Wie kann die wissenschaftliche Methode in Zeiten politischer und technologischer Umbrüche dazu beitragen, verlässliche Erkenntnisse zu gewinnen und den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen? Mit dieser Frage setzten sich die Teilnehmenden des diesjährigen Max Planck Schools Day auseinander, der nun bereits zum achten Mal stattfand. Promovierende, Fellows, Vertreter von Partnerorganisationen und der vier Max Planck Schools – Biomedical Artificial Intelligence, Cognition, Matter to Life und Photonics – trafen sich am 08. Oktober im Harnack-Haus in Berlin, um neue Perspektiven zu gewinnen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Veranstaltung begann mit der Eröffnungsrede von Prof. Walter Rosenthal, Präsident Hochschulrektorenkonferenz, der insbesondere die neu gegründete vierte Max Planck School of Biomedical Artificial Intelligence beglückwünschte: „Ich gratuliere Professor Karsten Borgwardt und seinem gesamten Team zum erfolgreichen Antrag und heiße ihn sowie seine Kolleg:innen herzlich in unserer Max Planck Schools Familie willkommen“. Er betonte die zentrale Rolle von Universitäten und Forschungseinrichtungen für unsere Gesellschaft und unterstrich, wie wichtig Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Autonomie für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem sind. Zugleich verwies er auf das gemeinsame Engagement der Max-Planck-Gesellschaft, der Hochschulrektorenkonferenz und der verschiedenen Organisationen innerhalb der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, diese grundlegenden Prinzipien zu wahren und zu verteidigen. Seine Worte unterstrichen die Notwendigkeit, das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken und das öffentliche Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen wiederherzustellen – als wichtige Grundlage für Forschungsintegrität und einen offenen wissenschaftlichen Diskurs.
Im Anschluss an die Eröffnungsrede begrüßte Prof. Ferdi Schüth die Teilnehmenden in seiner Funktion als Mitglied des Lenkungsausschusses der Max Planck Schools. In seiner Ansprache hob er die Bedeutung wissenschaftlicher Unabhängigkeit, verantwortungsvoller Forschungspraktiken und der damit verbundenen gesellschaftlichen Verantwortung hervor. Zugleich betonte er, wie wichtig es ist, Forschung transparent und zugänglich zu gestalten. Wissenschaft könne nur dann dauerhaft Vertrauen und Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie offen, nachvollziehbar und im aktiven Austausch mit der Gesellschaft stehe. Seine Ausführungen verdeutlichten die gemeinsame Aufgabe, eine glaubwürdige und zukunftsorientierte Wissenschaft zu stärken, die ihre Standards auch angesichts politischer und technologischer Veränderungen wahrt.
Neugier, Entdeckergeist und die Leidenschaft für Wissenschaft
Im Anschluss folgte die Passion for Science Lecture von Prof. Gerd Kempermann, Fellow der Max Planck School of Cognition. Ausgehend von seinem eigenen wissenschaftlichen Werdegang gab er sehr persönliche Einblicke in das, was seine Neugier antreibt und seine lebenslange Begeisterung für die Wissenschaft gleichermaßen prägt. Getreu dem Motto: „Wissenschaft ist etwas für Entdecker, nicht für Buchhalter“ gab er den Teilnehmenden wertvolle Denkanstöße und erinnerte eindrücklich daran, welche Bedeutung wissenschaftliche Neugier und starke Forschungsnetzwerke für Innovation, neue Entdeckungen und bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche haben. Im Anschluss kamen die Teilnehmenden zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammen, um Kontakte zu pflegen, neue Gesichter der Max Planck Schools Community kennenzulernen und die Gespräche aus dem Vormittagsprogramm fortzuführen.
Wissenschaft im Spannungsfeld technologischer und politischer Umbrüche
Die anschließende Podiumsdiskussion befasste sich mit dem Leitthema der diesjährigen Veranstaltung: Prof. Dagmar Schäfer, Dr. George Caputa, Prof. Holger Wormer und Prof. Karsten Borgwardt diskutierten die Herausforderungen, denen sich die Forschung angesichts einer sich rasch wandelnden politischen und technologischen Landschaft gegenübersieht. Im Mittelpunkt standen dabei das Vertrauen in die Wissenschaft, die politische Einflussnahme auf die Forschung sowie die Chancen, Risiken und weiterreichenden Auswirkungen neuer Technologien. Moderiert von der Wissenschaftsjournalistin Sophie Stigler, brachten die Podiumsgäste ihre unterschiedlichen Perspektiven auf die Frage ein, wie Forschende und wissenschaftliche Institutionen die Grundsätze sorgfältiger wissenschaftlicher Arbeit schützen und zugleich auf neue gesellschaftliche Herausforderungen reagieren können. Ergänzt wurde die Diskussion durch Rückmeldungen aus dem Publikum, die mithilfe von Live-Umfragen über Mentimeter eingeholt wurden. Sie machten deutlich, welche Sorgen angesichts des zunehmenden Drucks auf die Wissenschaft bestehen und welche zentrale Bedeutung Transparenz, Reproduzierbarkeit und wissenschaftliche Unabhängigkeit für die Glaubwürdigkeit von Forschung haben. Insgesamt zeigte die Diskussion, wie wichtig ein offener Dialog, kritisches Denken und Zusammenarbeit sind, um den zunehmenden Herausforderungen für die Wissenschaft zu begegnen.
Von der Diskussion zur Umsetzung: Vier interaktive Workshops
Aufbauend auf der Podiumsdiskussion boten vier interaktive Workshops den Promovierenden die Gelegenheit, sich vertieft mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich wissenschaftliche Standards angesichts politischen Drucks, rascher technologischer Entwicklungen und wachsender Zweifel an der Verlässlichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse wahren lassen. In kleineren Gruppen, die jeweils von einem der Panelisten moderiert wurden, diskutierten die Promovierenden, wie sich Grundsätze wie wissenschaftliche Integrität, kritisches Hinterfragen, Transparenz und Reproduzierbarkeit in unterschiedlichen Forschungskontexten umsetzen und einhalten lassen.
Nach der Kaffeepause kamen die Gruppen erneut zusammen, um die Ergebnisse und wichtigsten Erkenntnisse ihrer Workshops vorzustellen. Eine zentrale Schlussfolgerund brachte dabei einen grundlegenden Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens auf den Punkt: „Lieber zweifeln als blind vertrauen.“ In einer Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse mit beispielloser Geschwindigkeit verbreitet und infrage gestellt werden, ist eine gesunde Skepsis entscheidend, um die Glaubwürdigkeit der Forschung zu erhalten. Zugleich wurde deutlich, welchen Mehrwert unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven für den gemeinsamen Diskurs bieten. Die Workshops unterstrichen, wie wichtig die Zusammenarbeit über Disziplin- und Fachgrenzen hinweg ist, um eine widerstandsfähige, transparente und verlässliche Wissenschaft zu fördern – insbesondere angesichts technologischer Entwicklungen und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen.
Science Talks: Forschungseinblicke über Disziplingrenzen hinweg
Am Nachmittag standen die Science Talks von drei ausgewählten Promovierenden auf dem Programm: Bianca Serio (Max Planck School of Cognition), Karim Ajmail (Max Planck School Matter to Life) und Sebastian Hell (Max Planck School of Photonics). Ihre Vorträge boten Einblicke in ihre jeweiligen Forschungsgebiete: Hirnorganisation, mikroskopiebasierte Zellsortierung und ultraschnelle Photoionisation. Bianca Serio zeigte auf, wie wissenschaftliche Methoden unser Verständnis der Hirnorganisation und des biologischen Geschlechts prägen und warum unterschiedliche Perspektiven entscheidend sind, um deren Komplexität zu erfassen. Anschließend stellte Karim Ajmail seine Arbeit an der Entwicklung einer Methode vor, die es ermöglicht, einzelne Zellen anhand komplexer, mikroskopisch erfasster Phänotypen zu sortieren. Durch den gezielten Einsatz photoaktivierbarer Fluorophore, mit denen ausgewählte Zellen markiert werden können, verbindet die Methode Mikroskopie mit der fluoreszenzaktivierten Zellsortierung, um molekulare Unterschiede im Zusammenhang mit komplexen zellulären Eigenschaften wie der räumlichen Organisation und den Wechselwirkungen zwischen Zellen zu untersuchen.
Abschließend veranschaulichte Sebastian Hell, wie das Vorhandensein oder Fehlen von Informationen das Verhalten quantenphysikalischer Systeme beeinflusst, und zeigte auf, welche Relevanz dieses Prinzip für unseren Alltag hat, der zunehmend von Desinformation geprägt ist. Die Vorträge zeigten, wie bereichernd der Blick über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinaus sein kann, und gaben Impulse für den Austausch über unterschiedliche Forschungsansätze sowie für neue Perspektiven auf unterschiedliche Forschungsfragen.
Ein musikalischer Ausklang des Tages
Den Abschluss der Veranstaltung bildeten ein gemeinsames Barbecue und Live-Auftritte zweier Bands von Promovierenden: der „MPSP Band“, benannt nach der Max Planck School of Photonics, und „Cirinici“, bestehend aus Promovierenden der Max Planck School Matter to Life. Mit ihrer Musik sorgten die beiden Bands für eine lebendige Atmosphäre und zeigten, welche Talente auch jenseits der Forschung in der MPS-Community stecken. Das abschließende DJ-Set brachte vor allem die Promovierenden auf die Tanzfläche und ließ den Abend stimmungsvoll ausklingen.
Das informelle Beisammensein ergänzte das wissenschaftliche Programm und machte deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen für eine starke und lebendige Gemeinschaft innerhalb der Max Planck School sind. Einmal mehr brachte der Max Planck Schools Day Promovierende, Fellows, Expert:innen und Vertreter:innen von Partnereinrichtungen zusammen und bot zu Beginn des neuen akademischen Jahres erneut Gelegenheit für wissenschaftliche Diskussionen, neue Perspektiven und persönlichen Austausch.




























































